Gotthard-Postkutsche
3,50 CHF
| Dieser Bogen wurde aufgrund der Retro-Bogen-Abstimmung 2024 / 2025 wieder aufgelegt und ist in limitierter Stückzahl verfügbar. Es handelt sich um einen Original-Nachdruck aus dem Jahr 1985. | |
| Bestellnummer: | 315 |
| Autor: | Firma Cafag |
| Selbständige Einzelteile: | 1 |
| Schwierigkeitsgrad: | *** schwierig (ab 10 Jahren) |
| Massstab: | ca. 1 : 35 |
| Sprache: | d |
| Retro-Bogen, Auflage 5'000 Stück - NUR SOLANGE VORRAT | |
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Seit 1898 steht die Gotthard-Postkutsche unter dem Torbogen beim Eingang des Landesmuseums Zürich. Ein elegantes Gefährt, das Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland als «Coupé Berlina Nr. 880» gebaut wurde. Über drei Jahrzehnte lang war sie auf der Strecke zwischen dem Vierwaldstättersee und der italienischen Grenze unterwegs. Vielleicht kennst du das bekannte Gemälde «Die Gotthardpost» von Rudolf Koller aus dem Jahr 1870. Dort ist die Kutsche in rasanter Talfahrt dargestellt. Beim Anblick dieser Szene denkt man unweigerlich an die «gute alte Zeit der Postkutschenromantik». Ob die Menschen damals ihre Reisen jedoch ebenso romantisch erlebten – eingezwängt mit anderen Passagieren auf einer holprigen Passstrasse – darf bezweifelt werden. Werfen wir also einen Blick zurück ins Geschichtsbuch. 1848 war ein Schlüsseljahr in der Geschichte der Schweiz: Aus einem losen Staatenbund selbständiger Kantone entstand ein Bundesstaat. Mit der neuen Bundesverfassung wurden zentrale Aufgaben (etwa die Landesverteidigung, das Zoll- und Münzwesen sowie das Postwesen) der Schweizerischen Eidgenossenschaft übertragen. Zuvor hatten einzelne Kantone nicht nur eigene Briefmarken, sondern auch eigene Organisationen zur Personen- und Postbeförderung betrieben. Über Jahrzehnte hinweg stritten sich die Kantone Zürich und Luzern um die wichtige Gotthard-Transitstrecke. Vor der Eröffnung der neuen Gotthardstrasse im Jahr 1830 wurde der Postverkehr mit berittenen Kurieren abgewickelt. Später folgten kleinere Einspännerkutschen und ab 1842 zehnplätzige, von fünf Pferden gezogene Wagen, die täglich in beide Richtungen verkehrten. Mit dem Bundesstaat von 1848 wurde das Reisen schrittweise besser organisiert und zuverlässiger. Der Gotthardverkehr nahm deutlich zu. Wurden 1849 noch rund 14’000 Passagiere befördert, waren es 1875 bereits rund 72’000. Zwischen Flüelen und Camerlata (bei Como, Italien) lagen 12 Pferdewechselstationen. Für eine Fahrt in eine Richtung benötigte man 65 Pferde. Mit Eilkutschen und Zusatzkursen waren in den Stallungen der Postpferdehalter teils über hundert Tiere im Einsatz. Der Pferdewechsel dauerte gerade einmal fünf Minuten. Die Kutsche selbst wurde nicht ausgetauscht (sie «ermüdete» ja nicht), wohl aber der Postillon und der Kondukteur, der für die maximal 12 Fahrgäste verantwortlich war. Die Strecke von Flüelen nach Camerlata dauerte von 8:00 Uhr morgens bis 7:00 Uhr des Folgetages, also ganze 23 Stunden. Unterbrochen wurde die strapaziöse Reise nur durch Mahlzeiten. Die Routen Basel–Camerlata und Zürich–Camerlata nahmen etwa doppelt so viel Zeit in Anspruch, wobei die erste Nacht im warmen Bett in Flüelen verbracht werden konnte. Eine solche Fahrt war nicht nur anstrengend, sondern mitunter auch abenteuerlich. Manchmal mussten die Kutschen «entspannt» (also die Pferde ausgespannt) werden oder bei schlechter Witterung umkehren. Zweimal kam es sogar zu Überfällen auf Nachtkursen. Die Reisenden wurden ausgeraubt und die Täter flüchteten unerkannt. Mit der Fertigstellung der Gotthardbahn im Jahr 1882 endete die Ära der Postkutschen auf dieser Route. Der reguläre Betrieb wurde eingestellt. Zwischen 1909 und 1921 fuhr die Kutsche zwischen Andermatt und Airolo nochmals, aber nur noch als Attraktion für Touristen. 1922 überquerte dann erstmals ein Postauto den Gotthard. Damit war das Kapitel der Gotthard-Postkutsche und ihres letzten Postillons abgeschlossen. Heute werden für Touristen Fahrten von Andermatt nach Airolo angeboten. |
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